Juli.in.Paris











{September 30, 2007}   Lecker?

Ich war mit Val am Meer, genauer gesagt in Dieppe. Aber das tut hier eigentlich nichts zur Sache.

Wir waren Muscheln essen, was fuer mich ja immer wieder ein Erlebnis ist, weil ich eigentlich gar keine Muscheln mag. Und wenn dann hoechstens alle 5-6 Jahre einmal. Das gute bei diesem Essen war, dass ich mich entschlossen hatte mal eine von Vals Austern zu probieren, danach fand ich die Muscheln gar nicht mehr so schlimm, fast sogar lecker. Ein wichtiges Detail beim Muscheln essen besteht in meinem Fall darin, sich das ganze bloss nicht zu genau anzuschauen, einfach raus aus dem Gehaeuse und runter damit. Waehrend dieses ganzen Rituals schaffe ich es dennoch nicht entspannt auszusehen, irgendwie wirke ich immer verkrampft. Ich hatte die ganze Zeit ein komisches Gefuehl und fuehlte mich von den Muschelliebhabern an den anderen Tischen beobachtet..  Ausserdem kam noch eine erschwerende Tatsache hinzu, gerade nach meiner ersten Muschel bemerkte Val, dass sich in manchen Muscheln kleine Krebse befanden.. Die Bedienung sagte uns hinterher das sei Saisonbedingt.  Das machte mein Essen jedenfalls nochmal um einiges komplizierter. Jetzt musste ich mir die Muscheln naemlich doch genauer angucken, denn Krebse essen…nicht mit mir. Zusaetzliche Proteine hin oder her. Jede Muschel also komplett auseinander gepflueckt und auf Muschelinnenleben gestossen welches wiederum mein Innenleben negativ beeinflusste. Ich vertage das naechste Muschelessen auf Maerz (um Saisonbedingte Krebse zu vermeiden) 2017.



{August 27, 2007}   Hello again

Ich war letzte Woche in Bielefeld und ich wollte mich da an dieser Stelle nochmal ganz herzlich bei der Stadt bedanken, die am letzten Donnerstag scheinbar alle Kleidergrößen um eine Nummer (kleiner) für mich umgeschrieben haben. Egal ob Hose oder Schuhe alles hat mir gepasst…das war ein sehr toller Tag.

Ansonsten gits nicht viel Neues. Ich vegetier hier so vor mich hin und versuche mehr oder weniger konsequent meinen Praktikumsbericht zu schreiben.



{August 14, 2007}   Aua

Ich hab Kopfschmerzen…ich vermute es ist die Landluft, einfach zu gesund hier. Durch den ganzen Sauerstoff ist mein Gehirn überfordert. In Paris hat man diese Abgasbrühe eingeatmet, wenn man keine Lust hatte irgendwem zuzuhören hat man einfach auf durchzug gestellt..meine geistigen Aktivitäten befanden sich (jetzt im nachhinein betrachtet) auf einem entspannten Niveau. Und dann „zack“ ist man wieder in Deutschland, umgeben von frischer Luft und Muttersprache. Was soll ich sagen, das ist im Moment einfach zu viel.



{August 6, 2007}   Adieu Pariiii!

Letzter Tag. Heute Abend gehts los und morgen frueh bin ich dann wieder in Börlin.

Waren heute „fruehstuecken“. Ein kleiner O-Saft, ein kleiner Café Crème (kein Mensch sagt hier Café au lait) und ein Croissant. War aber trotzdem toll, weils ganz pariserisch war. Ein Café am Montmartre, noch ein bisschen stinking vom gestrigen Abend, die anderen haben geraucht und draussen hats in Stroemen geregnet. Wir alle waren schon ein bisschen melancholisch.. schoen wars. Dann sind Val und ich im Regen zu Fuss nach hause.

Gestern Abend auch noch ein letztes Mal am Canal St Martin gesessen und Karl hat Gitarre gespielt. Alles in allem zwei schoene letzte Tage. Meine Sachen sind auch gepackt.

Bis bald dann in echt hoffentlich :)



{Juli 27, 2007}   Ich freu mich!

Hab mal nachgefragt, ob mein Zimmer in Berlin noch steht, hier die Zustandsbeschreibung von Micha:

„..Nun aber ist dein Zimmer wieder ordentlich und sauber. Durch unsere aufgehängte Wäsche riecht es frühlingsfrisch. Die Blumentöppe erholen sich auch langsam wieder. Die Tapete hab ich größtenteils repariert und deine Regale auch eingeräumt… Naja, das zusammengestürzte Hochbett – das hab ich noch nicht geschafft. Wird aber bestimmt noch – wichtiger ist ja, dass die Fenster zuerst repariert werden und du einen Platz zum Schlafen hast…“

Das wird schon gehen aber ich bin nicht sicher, ob ich einschlafen kann ohne das Mäuse und Rattengeraschel in den Waenden und auf dem Fussboden. Ich muss Micha mal fragen, ob er vielleicht son bisschen an seiner Zimmerwand rumkratzen kann wenn ich ins Bett gehe. Nur 5 Minuten…zum einschlafen.



{Juli 25, 2007}   Pah!

Heute auf der Strasse

Ich uebersetz mal.

Typ: Hey du bleib mal stehen. Warte doch mal kurz.

Ich (stehen geblieben): Oui?

Typ: Wie gehts?

Ich: Gut.

Typ (nach zwei Worten erkannt, dass ich keine Franzoesin bin) : Kommst du aus Frankreich?

Ich: Nein.

Typ: Du sprichst richtig gut franzoesisch!

Alles Schleimer hier.



12.07.2007

Bin jetzt seit fast 2 Wochen in Fericy. Seit 2 Wochen bin ich die Mama von 12 pubertären 17-25 jährigen. Darunter 2 Südkoreanerinnen (sprechen englisch auf Sparflamme „Juli..shower?“), 2 zickige Ukrainerinnen (die eine hat sich schon einen kleinen Franzosen aus dem Dorf geangelt, er tut mir leid) 2 Armenier (immer hilfsbereit, manchmal ein bisschen zu sehr, z.B. scheinen Tische und alles mit ähnlichem Gewicht in Armenien zu schwer für Frauen zu sein, es wird einem also alles aus der Hand genommen) 1 Polin (redet ziemlich viel und arbeitet dafür umso weniger) 1 Kroate (in Ordnung, lässt sich aber zu sehr von den Mädels beinflussen) 1 Serbin (gleichfalls) 1 Spanier (der perfekte workcamp Teilnehmer) 1 Britin (hat Angst vor jedem Insekt und das erste was sie morgens tut, ist nach ihrem Make up greifen) 1 Irländerin (Minderjährig und aus schwierigen Verhältnissen, ich bin für sie verantwortlich, macht mir in regelmäßigen Abständen das Leben schwer, mag sie aber trotzdem sehr) unddann wär da nch mein zweiter Animatuer, der Franzose ist und erst 4 Tage später angekommen ist. Das bedeutet, dass ich von Anfang an alle Fäden in der Hand hatte, die Leute im Dorf kenne und alles organisiere.

Meine Autorität lässt zu wünschen übrig und es wird Zeit, dass ich mal durchgreife, immerhin steht uns noch eine Woche bevor.

Ich spreche abwechselnd englisch und französisch und abends wenn ich müde bin fange ich mit deutsch an was leider niemand versteht. Manchmal spreche ich aus versehen französisch mit den Volontären und alle gucken mich mit großen Augen an.

Die Mauer, die wir bauen sollten, ist dank der Mithilfe von 2 Helfern aus dem Dorf seit Donnerstag fertig und zum Missfallen der Gruppe hat die tolle Gruppenleiterin Juli einen Ersatz gefunden. Wir haben angefangen im Park zu arbeiten und Gestrüpp zu entfernen.

Am Samstag fahren wir alle zusammen nach Paris und ich seil mich irgendwann ab und ruh mich bei Val ein bisschen aus.



{Juni 29, 2007}   Hier regiert das Chaos!

Also erstmal, ich bin schon wieder umgezogen! Von der einen WG in die andere, jetzt wohne ich wieder bei Val. Allerdings ist mein Aufenthal hier nur von kurzer Dauer, denn morgen geht mein workcamp schon los. Eigentlich ja schon heute aber  gut, das ist eben die Organisation von SJ. Der zweite Animateur, welcher jetzt auch schon die Zweitbesetzung ist, denn der erste zweite Animateur, der aus Marokko kommt hat Schwierigkeiten mit seinem Visum..jedenfalls kommt Yoann, so heißt der neue, erst am Mittwoch. Das heißt bis dahin kommen immer mal wieder Leute, die mir helfen.. Mir fällt es ja nicht leicht mich an diese Arbeitsweise anzupassen. Äußerlich die Ruhe selbst, innerlich auf 180. Das charakterisiert meinen Zustand dort während des Praktikums recht gut. Jetzt kommt dann also die nächste Etappe. Das bedeutet, dass ich die nächsten drei Wochen nicht über Mails usw erreichbar bin.

Die letzten Wochen waren sehr ereignisreich aber im Moment bin ich leider nicht dazu in der Lage mich daran zu erinnern, jedenfalls nicht so zusammenhängend das ichs aufschreiben könnte. Ich habe jetzt andere Sorgen, zum Beispiel was ich morgen alles einkaufe für 15 Leute..und es muss bis Montag reichen..und ich frage mich auch wie ich mir das alles merken soll was ich mir merken MUSS.

Vielleicht melde ich mich zwischendurch nochmal.

 

Bis dahin…Salut!



Der Vorteil im Buero ist, dass ich an meinem Computer sitzen und so tun kann als ob ich was wichtiges schreibe und keiner verstehts und alle denken, dass ich sehr beschaeftigt bin.

Ich bin gerade dabei mich mental auf mein Workcamp vorzubereiten was schon in 10 TAGEN anfaengt. Ich mache einfach Listen mit allem was ich noch so zu tun habe, das beruhigt mich.

 

Ich fange erstmal an mit der Horrorgeschichte:

Letzte Woche sitzen Judith und ich auf meinem Bett und gucken DVD. Auf einmal sagt Judith zu mir Juliane, ist das da ne Ratte? Laeuft da ganz entspannt ne Ratte durch unser Zimmer und unter mein Bett. Toleranzgrenze erreicht..wenn nicht ueberschritten! Ich bin erstmal auf dem Bett geblieben, Judith hat mit nem Besenstiel unter den Betten und den Schraenken rumgestochert. Keine Ratte.

Sind dann erstmal los und haben verschiedene Sorten von Gift gekauft. Wieder in der Wohnung war die Ratte dann in der Kueche. Zu unserem Rattenbekaempfungsrepertoire gehoerten auch zwei Plastikplatten mit einer klebrigen Substanz. Es wird beschrieben, dass die Ratten/Maeuse da drauf laufen, kleben bleiben und so unter Stress stehen, dass sie innerhalb kuerzester Zeit sterben (an Herzinfarkt). Das mit dem kleben bleiben hat dann auch relativ schnell funktioniert. Allerdings ist sie nur mit dem Kopf kleben geblieben und war demnach nicht sofort tot. Das war echt nicht schoen. Sie hat logischer Weise die ganze Zeit versucht sich zu befreien und Laute von sich gegeben. Es war ganz schlimm, wir haben in unserem Zimmer gesessen und laut Musik gehoert und gehofft, dass es bald vorbei ist. Sie war dann morgens tot.

Ich hoffe wirklich, dass sie sich nur zu uns verirrt hat, wahrscheinlich ist sie durch ein offenes Fenster rein gekommen.

Als naechstes ist eine Maus in die Falle getappt (wir hatten ja zwei von den Dingern). Diesmal war ich alleine zu hause und die kleine Maus klebte komplett fest und sie ist auch nicht vor lauter Stress gestorben… Svenja hat der Quaelerei dann am naechsten Tag ein Ende gesetzt. Juliane zaehl mal bis drei! – Neeiin ich kann das nicht!

 

Dann hat gestern noch ein Typ aus Irland bei uns uebernachtet, der heute auf ein Workcamp weiter faehrt. Als er erfahren hat, dass wir deutsch sind hat er uns mit « Sieg heil » begruesst. Als wir dann nicht so freundlich reagiert haben war er ueberrascht. Freunde hatten ihm erzaehlt, dass man das in Deutschland sagt. Wir haben ihm dann « Hallo » beigebracht…



{Juni 12, 2007}   Souris city

Wir haben in der WG dieses kleine Mäuse Problem. Ich denke gegen die Unmengen von Gift, die wir schon verteilt haben sind sie mittlerweile immun bzw sie sind so schlau, dass sie nach dem ersten Todesfall in ihrer Sippe schon beschlossen haben die pinken Körner nicht zu essen.

Jedenfalls hab ich letztens gekocht, war ganz froh mal alleine zu sein und meine Ruhe zu haben. Hab während der ganzen Zeit in der Küche schon die Mäuse über mir rumtippeln hören. Die Küchendecke besteht nur aus einer höchstens 1,5cm dicken Platte, darüber befindet sich ein 30cm Zwischenraum. Da wohnt scheinbar ein Teil der Mäusefamilie. Außerdem gibt es in der Decke ein quadratisches Loch in das nur ein Stück Karton gelegt wurde, der das Loch noch nichtmal ganz abdeckt. Hab also in der Küche gestanden, dass Loch angesarrt und gewartet wann die Maus endlich ihren Kopf durch das Loch steckt und mich zurückstarrt. Hat sie nicht gemacht. Bin dann irgendwann kurz in mein Zimmer gegangen und von da hör ich ein dumpfes Geräusch, zurück in der Küche eine kleine Maus auf dem Fußboden. Geil! Hat sich wohl etwas zu kühn vor gewagt und ist aus dem Loch gefallen.

Jetzt erwartet man ja wenigstens, dass sie sich schnell aus dem Staub macht und in der nächsten Niesche verschwindet. Kann ich von meiner Maus nicht behaupten, ich habe wirklich alles versucht, um mich aus der Affäre zu ziehen, so in die Richtung Ich wollte gerade mit dem Kochlöffel auf sie los da war sie schon wieder weg. Sie ist ganz relaxed in der Küche rumspaziert, hat mal in das andere Zimmer geguckt und mich ratlos sitzen lassen. Dieses Verhalten hat mich sehr aufgeregt, mehr als ihre bloße Anwesenheit. Naja, vielleicht hatte sie ja auch einfach ne Gehirnerschütterung vom Sturz und war deswegen nicht ganz auf der Höhe, das könnte ich noch akzeptieren. Irgendwann war sie dann verschwunden und ich habe mich entschlossen, den Vorfall erstmal für mich zu behalten.

Am nächsten Morgen bin ich dann später ins Büro gegangen als die anderen und hab ein bisschen unser Zimmer aufgeräumt und was habe ich gefunden…ne tote Maus. Als Dank dafür, dass ich sie nicht getötet habe, hat sie sich dann schön zum Sterben neben mein Bett begeben. Gut, dass du mich nicht getötet hast jetzt bin ichs ja eh. Ich vermute, dass sie nichts zu essen gefunden hat und dann doch mal ein pinkes Körnchen probiert hat.



et cetera