Juli.in.Paris











12.07.2007

Bin jetzt seit fast 2 Wochen in Fericy. Seit 2 Wochen bin ich die Mama von 12 pubertären 17-25 jährigen. Darunter 2 Südkoreanerinnen (sprechen englisch auf Sparflamme „Juli..shower?“), 2 zickige Ukrainerinnen (die eine hat sich schon einen kleinen Franzosen aus dem Dorf geangelt, er tut mir leid) 2 Armenier (immer hilfsbereit, manchmal ein bisschen zu sehr, z.B. scheinen Tische und alles mit ähnlichem Gewicht in Armenien zu schwer für Frauen zu sein, es wird einem also alles aus der Hand genommen) 1 Polin (redet ziemlich viel und arbeitet dafür umso weniger) 1 Kroate (in Ordnung, lässt sich aber zu sehr von den Mädels beinflussen) 1 Serbin (gleichfalls) 1 Spanier (der perfekte workcamp Teilnehmer) 1 Britin (hat Angst vor jedem Insekt und das erste was sie morgens tut, ist nach ihrem Make up greifen) 1 Irländerin (Minderjährig und aus schwierigen Verhältnissen, ich bin für sie verantwortlich, macht mir in regelmäßigen Abständen das Leben schwer, mag sie aber trotzdem sehr) unddann wär da nch mein zweiter Animatuer, der Franzose ist und erst 4 Tage später angekommen ist. Das bedeutet, dass ich von Anfang an alle Fäden in der Hand hatte, die Leute im Dorf kenne und alles organisiere.

Meine Autorität lässt zu wünschen übrig und es wird Zeit, dass ich mal durchgreife, immerhin steht uns noch eine Woche bevor.

Ich spreche abwechselnd englisch und französisch und abends wenn ich müde bin fange ich mit deutsch an was leider niemand versteht. Manchmal spreche ich aus versehen französisch mit den Volontären und alle gucken mich mit großen Augen an.

Die Mauer, die wir bauen sollten, ist dank der Mithilfe von 2 Helfern aus dem Dorf seit Donnerstag fertig und zum Missfallen der Gruppe hat die tolle Gruppenleiterin Juli einen Ersatz gefunden. Wir haben angefangen im Park zu arbeiten und Gestrüpp zu entfernen.

Am Samstag fahren wir alle zusammen nach Paris und ich seil mich irgendwann ab und ruh mich bei Val ein bisschen aus.



{Juni 29, 2007}   Hier regiert das Chaos!

Also erstmal, ich bin schon wieder umgezogen! Von der einen WG in die andere, jetzt wohne ich wieder bei Val. Allerdings ist mein Aufenthal hier nur von kurzer Dauer, denn morgen geht mein workcamp schon los. Eigentlich ja schon heute aber  gut, das ist eben die Organisation von SJ. Der zweite Animateur, welcher jetzt auch schon die Zweitbesetzung ist, denn der erste zweite Animateur, der aus Marokko kommt hat Schwierigkeiten mit seinem Visum..jedenfalls kommt Yoann, so heißt der neue, erst am Mittwoch. Das heißt bis dahin kommen immer mal wieder Leute, die mir helfen.. Mir fällt es ja nicht leicht mich an diese Arbeitsweise anzupassen. Äußerlich die Ruhe selbst, innerlich auf 180. Das charakterisiert meinen Zustand dort während des Praktikums recht gut. Jetzt kommt dann also die nächste Etappe. Das bedeutet, dass ich die nächsten drei Wochen nicht über Mails usw erreichbar bin.

Die letzten Wochen waren sehr ereignisreich aber im Moment bin ich leider nicht dazu in der Lage mich daran zu erinnern, jedenfalls nicht so zusammenhängend das ichs aufschreiben könnte. Ich habe jetzt andere Sorgen, zum Beispiel was ich morgen alles einkaufe für 15 Leute..und es muss bis Montag reichen..und ich frage mich auch wie ich mir das alles merken soll was ich mir merken MUSS.

Vielleicht melde ich mich zwischendurch nochmal.

 

Bis dahin…Salut!



Der Vorteil im Buero ist, dass ich an meinem Computer sitzen und so tun kann als ob ich was wichtiges schreibe und keiner verstehts und alle denken, dass ich sehr beschaeftigt bin.

Ich bin gerade dabei mich mental auf mein Workcamp vorzubereiten was schon in 10 TAGEN anfaengt. Ich mache einfach Listen mit allem was ich noch so zu tun habe, das beruhigt mich.

 

Ich fange erstmal an mit der Horrorgeschichte:

Letzte Woche sitzen Judith und ich auf meinem Bett und gucken DVD. Auf einmal sagt Judith zu mir Juliane, ist das da ne Ratte? Laeuft da ganz entspannt ne Ratte durch unser Zimmer und unter mein Bett. Toleranzgrenze erreicht..wenn nicht ueberschritten! Ich bin erstmal auf dem Bett geblieben, Judith hat mit nem Besenstiel unter den Betten und den Schraenken rumgestochert. Keine Ratte.

Sind dann erstmal los und haben verschiedene Sorten von Gift gekauft. Wieder in der Wohnung war die Ratte dann in der Kueche. Zu unserem Rattenbekaempfungsrepertoire gehoerten auch zwei Plastikplatten mit einer klebrigen Substanz. Es wird beschrieben, dass die Ratten/Maeuse da drauf laufen, kleben bleiben und so unter Stress stehen, dass sie innerhalb kuerzester Zeit sterben (an Herzinfarkt). Das mit dem kleben bleiben hat dann auch relativ schnell funktioniert. Allerdings ist sie nur mit dem Kopf kleben geblieben und war demnach nicht sofort tot. Das war echt nicht schoen. Sie hat logischer Weise die ganze Zeit versucht sich zu befreien und Laute von sich gegeben. Es war ganz schlimm, wir haben in unserem Zimmer gesessen und laut Musik gehoert und gehofft, dass es bald vorbei ist. Sie war dann morgens tot.

Ich hoffe wirklich, dass sie sich nur zu uns verirrt hat, wahrscheinlich ist sie durch ein offenes Fenster rein gekommen.

Als naechstes ist eine Maus in die Falle getappt (wir hatten ja zwei von den Dingern). Diesmal war ich alleine zu hause und die kleine Maus klebte komplett fest und sie ist auch nicht vor lauter Stress gestorben… Svenja hat der Quaelerei dann am naechsten Tag ein Ende gesetzt. Juliane zaehl mal bis drei! – Neeiin ich kann das nicht!

 

Dann hat gestern noch ein Typ aus Irland bei uns uebernachtet, der heute auf ein Workcamp weiter faehrt. Als er erfahren hat, dass wir deutsch sind hat er uns mit « Sieg heil » begruesst. Als wir dann nicht so freundlich reagiert haben war er ueberrascht. Freunde hatten ihm erzaehlt, dass man das in Deutschland sagt. Wir haben ihm dann « Hallo » beigebracht…



{Juni 12, 2007}   Souris city

Wir haben in der WG dieses kleine Mäuse Problem. Ich denke gegen die Unmengen von Gift, die wir schon verteilt haben sind sie mittlerweile immun bzw sie sind so schlau, dass sie nach dem ersten Todesfall in ihrer Sippe schon beschlossen haben die pinken Körner nicht zu essen.

Jedenfalls hab ich letztens gekocht, war ganz froh mal alleine zu sein und meine Ruhe zu haben. Hab während der ganzen Zeit in der Küche schon die Mäuse über mir rumtippeln hören. Die Küchendecke besteht nur aus einer höchstens 1,5cm dicken Platte, darüber befindet sich ein 30cm Zwischenraum. Da wohnt scheinbar ein Teil der Mäusefamilie. Außerdem gibt es in der Decke ein quadratisches Loch in das nur ein Stück Karton gelegt wurde, der das Loch noch nichtmal ganz abdeckt. Hab also in der Küche gestanden, dass Loch angesarrt und gewartet wann die Maus endlich ihren Kopf durch das Loch steckt und mich zurückstarrt. Hat sie nicht gemacht. Bin dann irgendwann kurz in mein Zimmer gegangen und von da hör ich ein dumpfes Geräusch, zurück in der Küche eine kleine Maus auf dem Fußboden. Geil! Hat sich wohl etwas zu kühn vor gewagt und ist aus dem Loch gefallen.

Jetzt erwartet man ja wenigstens, dass sie sich schnell aus dem Staub macht und in der nächsten Niesche verschwindet. Kann ich von meiner Maus nicht behaupten, ich habe wirklich alles versucht, um mich aus der Affäre zu ziehen, so in die Richtung Ich wollte gerade mit dem Kochlöffel auf sie los da war sie schon wieder weg. Sie ist ganz relaxed in der Küche rumspaziert, hat mal in das andere Zimmer geguckt und mich ratlos sitzen lassen. Dieses Verhalten hat mich sehr aufgeregt, mehr als ihre bloße Anwesenheit. Naja, vielleicht hatte sie ja auch einfach ne Gehirnerschütterung vom Sturz und war deswegen nicht ganz auf der Höhe, das könnte ich noch akzeptieren. Irgendwann war sie dann verschwunden und ich habe mich entschlossen, den Vorfall erstmal für mich zu behalten.

Am nächsten Morgen bin ich dann später ins Büro gegangen als die anderen und hab ein bisschen unser Zimmer aufgeräumt und was habe ich gefunden…ne tote Maus. Als Dank dafür, dass ich sie nicht getötet habe, hat sie sich dann schön zum Sterben neben mein Bett begeben. Gut, dass du mich nicht getötet hast jetzt bin ichs ja eh. Ich vermute, dass sie nichts zu essen gefunden hat und dann doch mal ein pinkes Körnchen probiert hat.



{Juni 11, 2007}   Aloha

Das war die letzte Woche:

Montag nochmal in der Uni gewesen, alles geklaert soweit (hoffentlich), Dienstag ein bisschen mit Val rumgehangen, Mittwoch mit Sebastien in mein workcamp Dorf gefahren und letzte Fragen geklaert (so mehr oder weniger), abends am Kanal St Martin gesessen mit Jule, Judith und ein paar Italienern, Donnerstag ins Buero und so Sachen gemacht (mal wieder uebersetzt..ich glaube sie sind wirklich schlecht geworden) und danach kurz Val getroffen, Freitag wieder im Buero gewesen und Fluege fuer Freiwillige gebucht (hoffe die kommen dann auch wirklich da an wo sie geplant hatten), abends Sonja vom Flughafen abgeholt (der wirklich seehhhr gross ist), Samstag den ganzen tag in Paris rumgelaufen und Sightseeing gemacht, abends noch zu Fuss zum Eiffelturm (definitiv zu weit zu Fuss wenn man schon den ganzen Tag gelaufen ist) und spaeter mit allen noch in der Kueche gesessen, Sonntag Sonja wieder zum Flughafen gebracht und danach zum Centre Pompidou, danach mit Jule in SPIDERMAN und „Pass auf Spiderman!“ gerufen wenns spannend war (nee haben wir nicht gemacht, waer aber lustig gewesen) und danach nochmal zum Kanal St Martin, zu viel Bier (fuer meine Verhaeltnisse) getrunken und spaeter mit Zahncreme an den Badezimmerspiegelgeschrieben…

Und jetzt ist Montag und eine neue spannende Woche beginnt!!



{Mai 31, 2007}   Nachtrag vom 26.05.07

Da bin ich wieder.

 Ich hatte ein paar schöne Tage in Franche Comté. Und wiede reinmal sind mir ein paar Dinge aufgefallen die ja gar nicht gehen. Angefangen beim Frühstück: was für mich die Müslischale ist, ist für die Franzosen der/die/das Bol..dachte ich jedenfalls. Denn auch für die Franzosen ist es eine Müslischale. Man muss sich also jeden Morgen überlegen zuerst Tee/Kaffee oder Müsli. Lieber zurückgebliebene Teeblätter im Müsli oder Milch mit aufgeweichtem Müsli im Tee. Wer seine „Tasse“ zwischendurch abwäscht oder sich eine zweite holt ist ein Weichei. Die Steigerung kommt dann beim Mittagessen in Form von Gläsern. Erst wird Wasser draus getrunken (das unglaublich nach Chlor schmeckt..da kommt man in ganz Frankreich nicht drumrum) danach kommt da der Nachtisch rein und letztendlich noch Kaffee. Wenn es also Obstsalat zum Nachtisch gibt dann gehts gerade noch..die Sache sieht jedoch anders aus wenns Pudding gibt oder Früchtequark..das gibt ein leckeres Kaffeegemisch.
Ich habe nette Leute kennen gelernt, die Franzosen beim Petanque (oder auch Boule) weggeputzt, weiß jetzt wie man Steine mit Hammer und Meißel bearbeitet und sie mit viel Geduld zu einer Mauer zusammenfügt, habe Zement gemischt, französische „wie haben uns alle lieb“ Lieder gesungen, Königsberger Klopse gemacht, für 70 Personen eingekauft und ich war im Fernsehn.



{Mai 31, 2007}   Wörterbuch

Für alle, die bald mal nach Frankreich kommen und nicht so gut Frz sprechen:

Ja\Nein – ui\nong

Danke – märsi

Gern geschehen – dö rjäng

Wie heisst du? – kommang tü tapäl

Entschuldigen Sie – äksküseh mua

Ich spreche nur wenig Französisch – schparl äng tu pti pöh frangsä

Auf Wiedersehen – oh röwuar

Taxistand – la plas dö woitür



{Mai 31, 2007}   gaehn

Heute bin ich mal wieder im Buero aber irgendwie gibt es nichts zu tun. Versuche gerade mein workcamp mal son bisschen durchzuplanen…gibt ungefaehr 5000 Dinge, die ja sooo wichtig sind und die ich AUF KEINEN FALL vergessen darf. Gut, dass ich Listen so gerne mag..werde gleich erstmal ne kleine Liste schreiben.

Ich hab nochwas im Paris Reisefuehrer gefunden:

„Vor allem spaet abends sollten sie die Gegend um die Metrostationen Strasbourg-Saint Denis, Stalingrad und Chatelet-Les Halles moeglichst meiden.“

So und jetzt ratet mal wo ich wohne…



Val und ich sind heute morgen so durch Paris spaziert. Und ich kam mir so touristisch vor.

Ich: Ach Mann Val, jetzt denken alle, dass wir Touristen sind.

Val: Guck einfach grimmiger und geh schneller.

Und zack, schon waren wir keine „Touristen“ mehr, sondern echte Pariser! So einfach ist das.

Und neulich an der Ampel:

Val: Pass auf Juli, da kommt ein Auto!

Ich: Häh wieso, wir haben doch grün!!

Val: (verständnisloser Blick)

Da habe ich gelernt: Grün ist nicht gleich grün.

So und jetzt kann ich ncht mehr länger Luft anhalten..Ich sitze nämlich in einem seehr kleinen Internetcafé mit 6 transpirierenden Männern. Lecker.



So, endlich mal wieder. Was wollte ich erzaehlen. Diese Sache mit den Toiletten brennt mir schon lange auf der Zunge.. das ist naemlich immer wieder ein Abenteuer. Jeder von euch der schonmal auf franzoesischen Autobahnen unterwegs war weiss in etwa wovon ich rede. Auf den Rastplaetzen befinden sich naemlich diese Oertlichkeiten, die auf den ersten Blick aussehen wie Duschen. Und just in dem Moment in dem man rausgehen will, um die Toilette zu suchen, fallen einem diese „Fussabdruecke“ auf und wenn man sich so umschaut, dann findet man eigentlich auch keine Brause und dann dieser unverkennbare Geruch und man denkt sich „Bitte lieber Gott, lass das nicht die Toilette sein“ Ja ich weiss euch Jungs ist das bis zu einem bestimmten Beduerfniss relativ egal. Ich habe uebrigens mit Franzosen ueber diese „franzoesischen Toiletten“ gesprochen..diese widerum bezeichnen die Toiletten als tuerkische. Wie ihr seht wird die Erfindung dieser Orte des Grauens immer jemand anderem in die Schuhe geschoben. Wie man die Klos wohl in der Tuerkei nennt falls es die da gibt?

Letztes Jahr im Winter war ich mit ein paar Freunden in Paris in einer Bar. Da man auch von Orangensaft irgendwann mal muss, hab ich mich also auf den Weg gemacht, an der Theke vorbei hinten rechts. Ich stehe vor einer Tuer, gehe rein und befinde mich sofort in einem kleinen feuchten Raum mit einer franzoesischen Autobahntoilette und einem Waschbecken. Das kann nun wirklich nicht wahr sein, denke ich noch und vermute, dass ich auf der Herrentoilette gelandet bin. Also wieder raus…und wieder rein, weil die Wahrheit ist, dass die Franzosen das nicht so eng sehen. Bzw sogar denken was fuer ein Bloedsinn fuer jedes Geschlecht ein eigenes Klo.

In meiner Uni sind die Klos auch in einem furchtbaren Zustand. Klobrillen sind schonmal was fuer Weicheier, und wenn man spuelt dann muss man gute Reflexe besitzen denn das Wasser spritzt zu allen Seiten. Am besten schon von Anfang an den groesstmoeglichen Abstand zwischen sich und der Kloschuessel waehlen und trotzdem noch an den Spuelknopf kommen. Bei mir kommt immernoch hinzu, dass ich meine Hosenbeine hochziehen muss, damit sie nicht auf dem nassen Boden haengen. Das gleiche Problem kommt beim Haendewaschen auf einen zu. Einfach zuviel Druck auf der Leitung..fuehrt zu nassen T-Shirts. Haende werden an der Hose abgetrocknet. Manchmal kann man auch nicht abschliessen, das Klo ist verstopft oder im Waschbecken liegen aufgeweichte Taschentuecher. Aber eins muss ich sagen: Klopapier gibts immer!

Was mich auch sehr gefreut hat: 4,70€ fuer meinen Orangensaft bezahlt, den ich mir selbst von der Theke holen durfte und dann noch 0,50 Ct um aufs Klo zu gehen.



et cetera